Archiv für den Monat: Juni 2016

„Gönne Dich Dir selbst“

Achtsamkeit – auch für mich selbst

Gut erholt und mit vielen praktischen Tipps im Gepäck kehrten die Mitarbeiterinnen des Caritas-Hospizkreises für die Stadt Warstein von der Tagung „Achtsamkeit – auch für mich selbst“ aus Paderborn zurück. Zum 1. Mal fand dieser Tag für die Pflegenden im Bildungshaus Liborianum statt, der „ein Geschenk für Sie (die Pflegenden) sein soll“, so Dr. Werner Sosna, Referent im Liborianum, in seiner Begrüßung. „Heute sollen Sie durchatmen können und Dankbarkeit und Wertschätzung erfahren.“ In Zusammenarbeit mit der Klinikseelsorge und der Caritas im Erzbistum Paderborn, dem Brüderkrankenhaus St. Josef und dem Liborianum war der Tag vorbereitet worden.

Mit einem erfrischenden und praxisnahen Impulsvortrag von Krankenhausseelsorger Norbert Kremser, der kurzfristig als Referent eingesprungen war, waren alle TeilnehmerInnen gut in das Thema Achtsamkeit eingeführt worden: „Das Erste, was zur Achtsamkeit gehört ist das Wahrnehmen: sich selbst, das, was gerade ist – ohne Bewertung. Trauen Sie Ihrem Gespür, üben Sie, achtsam mit sich umzugehen.“ Dann lud er alle Anwesenden ein die Augen zu schließen und nur zu hören. Eine zweite Übung war die Hände zu falten und dann jeden Finger einzeln „umzulegen“. Eine Definition von Achtsamkeit (= ungeteilte Aufmerksamkeit) lautet: Weiß ich, wo ich gerade bin und was ich gerade tue?

In mehreren Workshops konnten anschließend unterschiedliche Möglichkeiten ausprobiert werden achtsamer mit sich umzugehen; wenn z. B. wenig Zeit ist bietet sich das Fingeratmen oder eine Klopfmassage an. Besonderes Interesse bestand bei den Hospizmitarbeiterinnen natürlich an dem Workshop „Hab Acht auf mich – Achtsamkeit in der Begleitung Sterbender“.

Zum Abschluss des Tages feierte Erzbischof Hans-Josef Becker mit allen TeilnehmerInnen im Hohen Dom zu Paderborn einen Wortgottesdienst. „Der Dom als geistlicher Mittelpunkt, der sowohl zur Ruhe als auch zum Gebet einlädt.“ Positive und aufmunternde Worte fand Becker in seiner Ansprache. Mit dem Zitat von Bernhard von Clairvaux „Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tu das immer. Ich sage nicht: Tu es oft. Aber ich sage: Tu es wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“ verdeutlichte Becker, dass Eigenliebe nötig ist um gut für andere da sein zu können, und dass es wichtig ist, gut mit sich selbst umzugehen. Er ermunterte die Anwesenden auch das Gespräch mit Gott zu suchen, sich für seine Gegenwart zu öffnen und Orte der Stille zu suchen. Mit den Worten „Durch den Dienst am Menschen wird Gottes Hinwendung zum Nächsten sichtbar“ dankte er allen TeilnehmerInnen und wünschte ihnen Kraft, Freude und Erfüllung bei ihren Aufgaben.

Unbenannt

 

Verdiente Pause

Palliativkreis will Menschen Sicherheit geben

Beratung

03.06.2016 | 13:00 Uhr

Palliativkreis will Menschen Sicherheit geben
Das Senioren-Netzwerk Maria Hilf hat einen Palliativ-Arbeitskreis gegründet, um Betroffenen gemeinsam Hilfe anbieten zu können.        Foto: Manfred Böckmann

Der Arbeitskreis Palliativ, koordiniert vom Krankenhaus Maria Hilf, möchte Betroffenen und Angehörigen helfen, mit dem Thema Tod und Sterben umzugehen.

Die Idee entstand Anfang 2015, als das Krankenhaus Maria Hilf sich dazu entschloss, ein Seniorennetzwerk zu gründen, um auf diese Weise die verschiedenen Leistungsträger miteinander zu vernetzen; eine kurzfristige Lösung zu finden, die aber auch langfristig von Nutzen ist. Herausgekommen ist dabei unter anderem der Arbeitskreis Palliativ.

Es sei darum gegangen, auf Augenhöhe Netzwerke aufzubauen, erläutert Klaus Wohlmeiner, Pflegedienstleiter des Krankenhauses, um ein zukunftsfähiges Netzwerk für das Einzugsgebiet des Hospitals (Warstein, Rüthen, Anröchte), aber auch darüber hinaus zu schaffen. Denn: Das Thema Demografie ist nicht nur in aller Munde, sondern wird sich auch immer mehr bemerkbar machen: Es gibt künftig immer mehr Senioren, auf der anderen Seite entsteht ein Ärzte- und Pflegekräftemangel.

Aus diesem Gedanken entwickelte sich auch der Palliativ-Arbeitskreis. Das Interesse sei bereits beim ersten Treffen groß gewesen, so Wohlmeiner. Dabei ist das Krankenhaus ein Kooperationspartner des Netzwerks. Die Koordination hat Melanie Rautert vom Krankenhaus übernommen.

Zu der Gruppe gehört auch Susanne Gremme (Stellvertretende Pflegedienstleiterin „Maria Hilf“, Petra Jochim (Krankenschwester, die derzeit eine Zusatzausbildung Palliativ-Pflege absolviert), Anke Klare (seit zwei Jahren in der Schmerztherapie und ebenfalls in der Ausbildung als Palliativ-Care-Fachkraft). Für den Sozialdienst des Warsteiner Hospitals ist Franz-Josef Budeus dabei. Das Krankenhausteam übernimmt die Koordination für Betroffene und deren Angehörige, kümmert sich also um die Überleitung, etwa zu einem Pflegeheim oder der ambulanten Pflege.

Die richtigen Ansprechpartner

Wenn es darum geht, Menschen palliativ zuhause zu versorgen, wäre Heike Hense (Pflegedienstleitung ZAP) kompetente Ansprechpartnerin, Sandra Mönig und Cornelia Wilding (Pflege Haus Piening) kennen sich mit stationärer Behandlung aus. Sie haben bereits „positive Erfahrungen“ mit dem Kreis gemacht: „Das Netzwerk funktioniert.“ Elisabeth Liß ist Koordinatorin des Hospizkreises Warstein und arbeitet im DRK-Seniorenzentrum, ebenso Stefanie Krüger – auch sie können informieren und helfen, wenn es um die Suche nach einer stationären Einrichtung geht.

Dass man noch nicht das Optimale erreicht hat, ist den Beteiligten klar: „Wir müssen erst mal anfangen“, formuliert es daher Melanie Rautert. Die wichtigsten Ziele für dieses Jahr: Erklären, was „palliativ“ (lat. „ummanteln“) eigentlich bedeutet. Nämlich: Die Menschen auffangen, ihnen Sicherheit bieten. „Das Thema beinhaltet Sterben und Tod“, verdeutlicht Rautert, dass es ein sensibler Bereich ist; im Zentrum der Palliativversorgung stehen Menschen mit einer schweren, nicht heilbaren und oft weit fortgeschrittenen Erkrankung. Man biete da Begleitung an, auch den Angehörigen. Folglich soll es auch bewusst darum gehen, Sterben und Tod zu enttabuisieren. Rautert: „Das ist ein großes Ziel“. Und natürlich, sich noch besser zu vernetzen.

Das Krankenhaus Maria Hilf beteiligt sich noch auf seine ganz besondere Weise: Im Oktober oder November soll eine eigene Palliativ-Station etabliert werden, blickt Petra Jochim nach vorne. Und Melanie Rautert freut sich, dass auch die heimischen Ärzte offenkundig Interesse an dem Kreis haben. Eine enge Zusammenarbeit gebe es bereits jetzt – aber noch nicht bei allen Hausärzten sei dies der Fall.

Manfred Böckmann