Archiv für den Monat: Januar 2014

Keine Angst vor fremden Traenen

Seit nunmehr 20 Jahren steht der Hospizkreis Lippstadt für die Idee, das Sterben als einen Teil des Lebens anzunehmen und jedem Menschen sein eigenes Sterben zu ermöglichen. – Er will Schwerstkranken und Sterbenden helfen, ihren Lebensweg in Würde zu Ende zu gehen, unabhängig von Herkunft, Glaube und persönlichen Überzeugungen.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens haben die Mitglieder des im November 1994 gegründeten Vereins zahlreiche Aktionen geplant.
Auf dem Plan stehen zum Beispiel Vorträge, Filmvorführungen und Info-Stände. Der Koordinatorin Brigitte Maria Sültrop und der Vorsitzenden Gerburgis Schüttert geht es dabei vor allem um Aufklärung. Sie möchten für die Enttabuisierung des Sterbens sorgen, zudem will der Hospizkreis die Arbeit der gut 40 ehrenamtlichen Sterbebegleiter in den Blickpunkt rücken.

Das Spektrum des Jubiläumsprogramms reicht vom meditativen Einstimmungs-Gottesdienst am Mittwoch, 8. Januar, (19 Uhr, Kapelle des Vinzenzkollegs) bis zum Festakt zum 20-Jährigen am Sonntag, 14. September, in der Jakobikirche. Praxisorientiert ist nach Angaben der Veranstalter der Vortrag „Keine Angst vor fremden Tränen“, den Chris Paul am Mittwoch, 26. März, um 19 Uhr im Rathaus hält. Dabei gehe es etwa um die Frage „Wie verhalte ich mich, wenn die Frau meines Kollegen stirbt?, erläutert Koordinatorin Sültrop, die eine halbe Stelle beim Hospizkreis hat und die – neben einer neu eingestellten 400-Euro-Kraft die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin ist.

Den Umgang mit Trauer in die Öffentlichkeit tragen, das hat sich der Hospizkreis auf seine Fahnen geschrieben. Durch Sozialdienste, Krankenhäuser oder auch den Eintrag in der Patriot-Rubrik „Rat und Hilfe“ kämen Interessierte zu ihnen,
„Sterben ist nicht immer nur traurig“
berichten die beiden Frauen. Nach einem ersten Gespräch gehe es darum, welcher ehrenamtliche Mitarbeiter die Sterbebegleitung übernimmt. „Die Chemie muss immer stimmen, sonst kann man keine Begleitung machen“, weiß Sültrop.

Gerburgis Schüttert findet gut, dass die Begleiter jünger werden. Von 28 bis 80 Jahren ist bei dem Lippstädter Hospizkreis jede Altersgruppe vertreten. Das zeuge unter anderem vom Erfolg ihrer Aufklärungsarbeit, ist sie überzeugt.
Vom Verein betreut werden Menschen, die ihrerseits ebenfalls jeden Alters sind. Lediglich Kinder stellten eine Ausnahme dar, weil diese oft von ihren Eltern begleitet würden, sagt die Vorsitzende.

Weder bei der täglichen Arbeit des Kreises noch im Geburtstagsjahr gehe es übrigens ausschließlich ernst zu, betonen die beiden sozial engagierten Frauen. „Sterben ist nicht immer nur traurig“, sagt Sültrop. Und so steht beispielsweise im Mai mit dem Film „Best Exotic Marigold Hotel“ eine Komödie auf dem Jahresprogramm, im August ein Singen und im November die Show eines Klinikclowns.

Wer Interesse an dem Geburtstagsprogramm des Hospizkreises hat, der findet den entsprechenden Flyer in Kirchen, Schulen, Apotheken oder in der Geiststraße 10, wo der Verein seinen Sitz hat.

Chris Paul
Chris Paul, Sozialpsychologin, Fachautorin und Ausbilderin in Bonn. Seit vielen Jahren setzt sie Akzente in der deutschen Trauerszene und arbeitet auch international als Dozentin. Ihre Bücher sind Standardwerke für Betroffene und Fachleute, dabei gelingt es ihr, auch komplizierte theoretische Zusammenhänge allgemein zugänglich zu machen. Die von ihr entwickelte und durchgeführte Seminararbeit mit Angehörigen nach Suizid ist europaweit einmalig. Als Leiterin des TrauerInstituts, Vorstandsmitglied des Vereins „Angehörige um Suizid“ e.V. und Gründungsmitglied der „Bundesarbeitsgemeinschaft Qualifizierung zur Trauerbegleitung“ setzt sie sich seit vielen Jahren für die angemessene Begleitung von Menschen mit erschwerter Trauer ein.